Ödemkrankheiten

Ursache und Entstehung von Lymphödem?

Ödeme bilden sich allgemein, wenn der Zufluss von Flüssigkeit in den Raum zwischen den Gewebsschichten erhöht oder aber der Abfluss daraus vermindert ist. Ein erhöhter Zufluss findet sich z.B. bei Eiweißmangel, erhöhtem Kapillarblutdruck oder erhöhter Kapillardurchlässigkeit. Der Abfluss wird vermindert, wenn die Lymphdrainage insgesamt gestört ist.

Ödeme vergrößern den Abstand zwischen Blutkapillaren und Körperzellen. Dieser vergrößerte Abstand bedeutet eine schlechtere Ernährung der Zellen, was zu Zellschädigung bzw. zum Zelltod führen kann. Eine Reduzierung bzw. Beseitigung eines Ödems ist daher notwendig, um das Absterben von Körperzellen und somit irreversible Gewebsschädigungen zu verhindern.

Wichtig zu wissen ist, dass einem Ödem immer eine Grunderkrankung bzw. ein unfallbedingtes oder postoperatives Trauma zugrunde liegt. Auslösende Ursachen können sein:

  • Eine übermäßige Belastung durch langes Stehen oder Sitzen während eines Arbeitstages,
  • eine erhöhte Kapillarpermeabilität,
  • Fehlregulationen des vegetativen sympathischen Nervensystems,
  • Schädigungen bestimmter Nerven bei z.B. Operationen,
  • Inaktivität durch z.B. Querschnittslähmungen,
  • Arteriosklerotische Erkrankungen mit daraus resultierender Kapillarpermeabilität,
  • Diabetes mellitus,
  • rheumatische Erkrankungen und chronisch entzündliche Entzündungsprozesse,
  • Erkrankungen und Disfunktionen der Nieren,
  • Herzinsuffizienz,
  • Allergien,
  • Vergiftungen durch Wespen- oder Bienenstich, Schlangenbiss etc.,
  • hormonelle Disbalancen, insbesondere der Schilddrüse oder auch
  • Medikamente

Ein Ödem ist also meist das Symptom bzw. die Folge einer Erkrankung. Vor der Behandlung eines Ödems soll immer zuerst ein Arzt konsultiert werden, der die Ursache diagnostiziert und das weitere Vorgehen festgelegt.

Die häufigsten Ödemformen im Überblick

Die Ursachen von Ödemen können wie gesagt sehr vielfältig sein, entsprechend differenziert man je nach Ursache und Ausprägung des Ödems in viele verschiedene Arten und Schweregrade.

Primäre und sekundäre Ödeme

Bei Ödemen unterscheidet man in erster Linie zwischen primären und sekundären Lymphödemen. Primäre Lymphödeme sind eine angeborene Fehlbildung, sekundäre durch Krankheiten, insbesondere Krebserkrankungen und damit verbunden der Entfernung von Lymphknoten, postoperative Eingriffe oder Unfälle verursachte Schädigungen oder Beeinträchtigungen des Lymphgefäßsystems. Die Folge sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe und Schwellungen.

Eiweißmangelödem

Ein weiteres Kriterium zur Klassifizierung von Ödemen ist der Eiweißgehalt. Ödeme können eiweißarm oder eiweißreich sein. Eiweißödeme entstehen, wenn es zu einer Verringerung des Gehalts an Serumeiweiß und der Albumine kommt.


Die Ursachen sind entweder:

  • eine verminderte Eiweißzufuhr mit der Nahrung (Hungerödem),
  • eine verminderte Eiweißaufspaltung im Darm bei Pankreas-Insuffizienz,
  • eine verminderte Eiweißresorption im Darm (Lymphangiektasie),
  • eine verminderte Eiweißsynthese in der Leber (Leberzirrhose),
  • ein verstärkter Eiweißverbrauch des Körpers (Malignome, chronische Entzündungen)
oder:
  • eine erhöhte Eiweißausscheidung über die Nieren (nephrotisches Syndrom)
  • eine erhöhte Eiweißausscheidung über den Darm (exsudative Enteropathie)

Die häufigste Ursache ist jedoch der verstärkte Eiweißverbrauch durch schwere Tumorerkrankungen oder durch eine erhöhte Eiweißausscheidung über die Nieren beim nephrotischen Syndrom.


Eiweißarme Ödeme zeigen immer eine tiefe Dellbarkeit, wogegen eiweißreiche Ödeme infolge Eiweiß-Fibrosebildung ihre Dellbarkeit im Laufe der Zeit zunehmend verlieren.

Schwangerschaftsödem

Mit der Schwangerschaft einher gehen oft Erkrankungen oder Störungen, deren Ursache nicht immer bekannt ist. Hierzu gehören auch Ödeme, meist bedingt durch eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung der Nieren und Bluthochdruck. Typisch für das Schwangerschaftsödem sind tief eindellbare Ödeme am ganzen Körper, bevorzugt jedoch in den unteren Extremitäten. Hier ist meist nur das Tragen einer medizinischen Kompressionsstrumpfversorgung ausreichend.


Bei schwerergradigen Schwangerschaftsödemen, die nicht in einer Störung der Nierenfunktion begründet sind, ist neben einer medikamentösen die physikalische Ödemtherapie sinnvoll.


Sollen Kompressionsstrümpfe zum Einsatz kommen, ist darauf zu achten, dass das Leibteil entsprechend der Größenzunahme des Bauches durch Einsetzen entsprechender Keile erweitert wird.

Postoperative und traumatische Ödeme

Hierunter versteht man das Auftreten von Schwellungen nach Knochenbrüchen, Operationen, Prellungen und Verstauchungen sowie Verrenkungen. In der Regel bilden sich diese nach einigen Wochen wieder zurück.


Ursache für ein traumatisches Ödem ist die Zerstörung von Zellwänden sowie die Verletzung von Blut und Lymphgefäßen.


Eine frühzeitige Behandlung mit der MLD führt zu einer Verringerung von Entzündungen, Schwellungen und Schmerzzuständen und verbessert somit die Gewebeheilung und die Erholungszeit. Einige der häufiger behandelten Verletzungen sind Kfz-Unfälle, Schleudertraumata, Ausrutsch- und Sturzunfälle, Schnittwunden sowie Verbrennungen.